Offene Türen, volles Programm: Islands Kultur in Deutschland im Buchmesse-Jahr

Isländer sind wahre Bücherwürmer – weshalb der Auftritt Islands als diesjähriges Gastland auf der Frankfurter Buchmesse Mitte Oktober alle mal auch für diesen kleinen Inselstaat gerechtfertig ist. Neben Übersetzungen von 177 isländischen Titeln in die deutsche Sprache und zahlreichen Lesungen isländischer Autoren gibt es ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, das jetzt im Literaturhaus in Frankfurt vorgestellt worden ist. Unter dem Titel „Sagenhaftes Island“ präsentiert das Gastland seine Kultur. Rund 30 isländische AutorInnen werden in Frankfurt erwartet. Unter ihnen sind Andri Snær Magnason, Guðrún Eva Mínervudóttir, Hallgrímur Helgason, Jón Kalman Stefánsson, Kristín Steinsdóttir und Sjón sowie die bekannten Krimiautoren Arnaldur Indriðason und Yrsa Sigurðardóttir und der diesjährige Preisträger des Nordischen Literaturpreises Gyrðir Elíasson.

Doch auch Liebhaber anderer Künste kommen auf ihre Kosten und bekommen in einem umfangreichen Kunst- und Kulturprogramm in den Frankfurter Museen, dem Kunstverein Frankfurt und im Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt einen Eindruck von Architektur, Film, Musik, Kunst, Design und Fotografie aus Island. Matthias Wagner K, Kurator für das Kunst- und Kulturprogramm „Sagenhaftes Island“, sagt: „In Frankfurt werden die Künste aus Island über ein halbes Jahr so präsent sein wie noch nie zuvor in Europa. Das verspricht ein neues Sehen – auch und gerade im Hinblick auf einen völlig anderen Umgang mit Tradition und Moderne. Die Ateliers und Studios der isländischen KünstlerInnen sind für mich die eigentlichen heißen Quellen der Insel im Atlantik.“

PROGRAMM
FOTOGRAFIE

Grenzen anderer Natur – Zeitgenössische Fotokunst aus Island
19. August – 16. Oktober
, Fotografie Forum Frankfurt im Frankfurter Kunstverein
Eröffnung: 18. August, 19 Uhr
Ausgestellt wird eine Auswahl von einerseits aufstrebenden und andererseits bereits etablierten isländischen Foto-Media-Künstlern, die sich in ihren Arbeiten immer wieder auf Landschaft und Umwelt beziehen. „Grenzen anderer Natur“ zeigt, wie unentbehrlich die Kunst der Fotografie bei der Erforschung der individuellen Herkunft der Isländer ist. Der Betrachter wird in mehrdeutige Landschaften geführt, in denen die Fotografen selbst visuelle Erzählungen erkunden und konstruieren. Hierbei wird die Landschaft zur Metapher für Begehren, Entfremdung, Ehrfurcht erregende Größe, Tradition, Ironie und Rebellion oder Leistung und Verlust.
Beteiligte KünstlerInnen: Bára Kristinsdóttir, Einar Falur Ingólfsson, Haraldur Jónsson, Hrafnkell Sigurðsson, The Icelandic Love Corporation, Ingvar Högni Ragnarsson, Katrín Elvarsdóttir, Pétur Thomsen und Spessi.

KUNST
Ragnar Kjartansson: Endlose Sehnsuch, ewige Wiederkehr
19. August – 16. Oktober
, Frankfurter Kunstverein
Eröffnung: 18. August, 19 Uhr
Ausstellung von Bilderserien und Installationen, die der Performancekünstler in den vergangenen zehn Jahren geschaffen hat. Darin setzt Kjartansson sowohl Elemente der bildenden Kunst, der Musik und des Theaters ein. Es entstehe Happenings, Installationen, Zeichnungen, Fotografien und Videos – eine Mischung zwischen regionalen Volkserzählungen und popkulturellen Versatzstücken.

Gabríela Friðriksdóttir. Crepusculum
29. September – 8. Januar 2012
, Kunsthalle Schirn
Die Arbeitsweise der isländischen Künstlerin Gabríela Friðriksdóttir zeichnet sich durch mediale Vielgestaltigkeit aus: Zeichnungen, Malereien, Fotografien und Skulpturen stehen gleichbedeutend neben Installationen und Performances. In ihren Werken führt sie unterschiedliche kulturelle, religiöse und psychische Ebenen zu einem eigenwilligen ästhetischen Zeichen-, Formen- und Bedeutungskanon zusammen.

Erró. Porträt und Landschaft
6. Oktober – 8. Januar 2012
, Kunsthalle Schirn
Erró zählt zu den großen Einzelgängern in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Gleichermaßen pop und barock, plakativ und erzählerisch, gesellschaftskritisch und humorvoll, moralisch und abgründig, schuf er innerhalb der vergangenen 50 Jahre ein opulentes, unverwechselbares Werk, das sich jeder Kategorisierung widersetzt. In seinen kritisch-narrativen Collagen kombiniert er malerisch reproduzierte Bildvorlagen aus unterschiedlichen populären Quellen zu vielsagenden Tableaus. Diese Ausstellung zeigt Errós Serie „Scapes“ sowie erstmals den gesamten, 1968 entstandenen Zyklus der „Monster“. In dieser grotesken Serie von Doppelporträts stellt der Künstler den offiziellen Konterfeis prominenter Persönlichkeiten ein zweites, monströs verzerrtes Gesicht gegenüber.

DESIGN
Design aus Island: Mode – Produkte – Kommunikation
22. September – 19. Februar 2012
, Museum für Angewandte Kunst Frankfurt
Gezeigt werden etwa 100 Exponate aus allen Gestaltungsbereichen. Dabei ist die isländische Landschaft den Designern einen beeindruckende Vorlage. Die Vulkaninsel zeigt sich im Wechsel des Lichts in allen Schattierungen von Weiß, Violett, Grün, Braun und Schwarz, mit einem oft milchigen Blau der Seen. Fraglos prägen diese Szenerie und mithin die tektonischen Oberflächenstrukturen auch die verschiedenen Gestaltungshaltungen.

ARCHEÖLOGIE
Sagazeit – Geschichten und Funde aus dem Alten Island
1.Oktober – 30. November
, Archäologische Museum Frankfurt
Zu sehen sind archäologische Funde aus dem wikingerzeitlichen und spätmittelalterlichen Island. Unter den Exponaten befindet sich auch eine Originalhandschrift der Egilssaga. Zudem wird das Thema Schreiben durch die Inszenierung eines mittelalterlichen Skriptoriums und der Darstellung der Schreibkunst Brody Neuenschwanders thematisiert.

Rahmenprogramm zum Thema:
Leseraum mit dem S. Fischer Verlag in der Karmeliterkirche mit Vortragsreihen von
Literatur- und KulturwissenschaftlerInnen aus Deutschland und Island über die Isländersagas. Zudem werden isländische Sagaverfilmungen aus der Frühzeit des isländischen Filmschaffens gezeigt sowie Konzerte historischer und zeitgenössischer isländischer Musik gegeben.

ARCHITEKTUR
Island und Architektur?
1.Oktober – 13. November
, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt
Eröffnung: 30. September, 19 Uhr
Welche Architektur gibt es in einem Land, das keine traditionellen Baumaterialien wie Holz oder Backsteine aufweisen kann, sondern Häuser mit Gras und Erde baut? Zu welchen Höhen entwickelte sich der Betonbau in Island? Und wie zeigte sich der schnelle finanzielle Aufstieg Islands in der Architektur – und wie der ebenso plötzliche Absturz? Diesen und ähnlichen Fragen geht die Ausstellung nach, begleitet von den Fotografien von Guðmundur Ingólfsson. Der Festivaldokumentarfilm „Future of Hope“ des britischen Regisseurs Henry Bateman zeigt zudem Ansätze für die Zukunft des Landes nach der Krise.

FILM
Filmreihe isländischer Spielfilme und Dokumentationen
1. Oktober – 31. Oktober
, Deutsches Filmmuseum
Eine junge Generation von FilmemacherInnen steht im Fokus der rund 15 Filme umfassenden Reihe. Mit „Kinder der Natur“ (1991) von Friðrik Þór Friðriksson, „101 Reykjavík“ (2001) von Baltasar Kormákur und „Nói Albínói“ (2002) von Dagur Kári erlangte das isländische Filmschaffen in den letzten Jahren zu Recht wieder internationale Aufmerksamkeit.

Neben diesen und weiteren aktuellen Filmen wird auch die lebendige Musikszene Islands mit bekannten MusikerInnen und Bands wie Björk, Mugison, Sigur Rós, Múm, FM Belfast und Reykjavík in den Dokumentarfilmen „Screaming Masterpiece“ (2004) und „Backyard“ (2010) vorgestellt.

MUSIK, TANZ, FILM
12. bis 16. Oktober
, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt
Konzert: Amiina am 11. Oktober
Konzert: Valgeir Sigurðsson, Komponist und Produzent, am 12. Oktober
Tanz: Tänzerin und Choreografin Erna Ómarsdóttir mit dem isländischen Tanzensemble und ihrem Stück „Transaquania – Into Thin Air“ am 14. und 15. Oktober
Film: „Children“ und „Parents“ des isländischen Regisseurs Ragnar Bragason am 16. Oktober

MUSIK
Konzert des Motettenchores der Hallgrímskirche in Reykjavík im Kaiserdom zu Frankfurt am Main
Geigerin Judith Ingolfsson und Pianist Vladimir Stoupel unter dem Titel „Einmal Sagas und zurück“. Den Kern dieser musikalisch-literarischen Zeitreise, die in der Alten Oper Frankfurt (10. Oktober) und der Musikhochschule Stuttgart (9. Oktober) aufgeführt wird, bildet ein Auftragswerk für Klavierquartett, geschrieben von dem isländischen Komponisten Áskell Másson.

5 Kommentare

  1. Nachdem ich gestern in Würzburg die Gruppe Ùtidùr aus Island erleben durfte, komme ich heute endlich wieder mal auf deine Seite und erfahre so von Islands Kultur in Deutschland im Buchmesse-Jahr. Vielen Dank dafür!!
    Liebe Grüße, Magda

  2. Hallo Magda. vielen Dank für deinen Kommentar und den erneuten Besuch auf meiner Seite! Und ich freue mich sehr, dass du dich über meine Seite informiert fühlst! Ja, es ist viel los – und ich hoffe, das Konzert von Útidúr hat die gefallen – ich hatte im vergangenen Herbst beim Airwaves-Festival das Vergnügen, schau mal hier, da habe ich auch etwas geschrieben und fotografiert: http://tibauna.de/island/music-is-in-the-air-airwaves-started/. Viele Grüße, tina

  3. Hallo Tina, das Konzert von Útidúr hat mir super gut gefallen. Während den verschiedenen Acts der Band lief unsere letztjährige Islandreise in meinem Kopf ab. Ach….
    Ja, die Band Útidúr mit ihrer großen Auswahl an Instrumenten ist ein ganz besonderes Erlebnis. Ich freu mich auf ein nächstes Mal.
    Magda

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