Interview Island

On unicycle through Iceland – Interview mit Einrad-Fahrer Florian Kaiser

Er hat ein Rad ab: Mitten durchs noch heiße Lava-Feld des Vulkans Eyjafjallajökull, quer durch die Steinwüste des isländischen Hochlands – und das Ganze auf dem Einrad. Florian Kaiser, Extremsportler aus München, hat als Erster Island von Ost nach West mit dem Einrad durchquert – geschätzte 700 Kilometer in 21 Tagen jeden Tag im Sattel. Ich habe Florian interviewt. Here go to English version

Der Allererste auf dem Einrad in Island warst du zwar nicht. Ein Einradler hat einen Monat früher die Insel auf der Ringstraße umrundet. Du bist den extremen Weg gefahren mitten durchs karge Hochland, quer über die Insel. Völlig verrückt oder Extremsportler, der den Nervenkitzel sucht: Wer bist du?
Beides in einem: verrückter Andersdenker und Extremsportler, der immer auf der Suche nach Neuem ist.

Das isländische Hochland ist schon mit dem Allrad-Jeep eine Herausforderung. Wie bist du auf die Idee gekommen, mit dem Einrad quer durch Island zu reisen?
Das war eigentlich gar nicht meine Idee. Ein Freund erzählte mir von diesem Abenteuer Island mit dem Einrad zu durchqueren und fragte, ob ich nicht mitkommen wolle. Ich war sofort in die Idee verliebt. Ich war nämlich noch nie zuvor in Island gewesen, wollte aber unbedingt einmal dorthin.

Wie hast du dich vorbereitet? Welche Ausrüstung hattest du dabei?
Vorbereitung? Ausrüstung? Fehlanzeige! In bin ziemlich blauäugig an das Ganze rangegangen – und habe auch viele Fehler bei der Planung gemacht. So wusste ich nicht viel über Island, das tückische Hochland, das schnell wechselnde Wetter und die Flüsse, die nicht gerade immer leicht zu durchqueren sind. Ich kannte Finnland, Schweden und Schottland und reimte mir daraus etwas über Island zusammen – das nichts mit der Realität zu tun hatte. So bin ich zu früh im Jahr los, da ich zur Sonnenwende im Juni und damit zur hellsten Jahreszeit dort sein wollte, auch um die Hauptsaison zu umgehen. Doch alle Hochlandrouten waren noch wegen der Schneeschmelze gesperrt. Dadurch habe ich auch meine geplante Route auf der Sprengisandur nicht geschafft und musste vorzeitig die Richtung ändern über den Laugavegur nach Skógar im Süden des Landes.

Hast du auch bei der Ausrüstung Fehler gemacht?
Ja, ich hatte ein Gewichtsproblem – schließlich musste ich alles auf dem Rücken tragen und dabei agil bleiben. Da ist bei 20 Kilogramm Schluss – mehr geht einfach nicht. Also musste ich mein Gepäck auf ein Minimum reduzieren. Doch da ich meine Aktion festhalten wollte, nahmen Film- und Fotoausrüstung schon mal viel Platz und Gewicht in Anspruch, dazu der Schlafsack und ein Zelt. Zum Zelt hatte ich mich überreden lassen – was ich nicht bereut habe! Auf Komfort wie Wechselkleidung und Kocher hab ich dann verzichten müssen. Also habe ich mich von Müsli und Schokolade ernährt. Gelernt habe ich daraus: Nie mehr ohne ordentliche Jacke und Kocher nach Island.
Wie geht das technisch mit dem Einrad über die raue, extreme Insel zu fahren? Wie hast du die Route ausgewählt?
Ursprünglich hatte ja mein Freund die Route ausgearbeitet. Doch schnell habe ich meine eigenen markanten Punkte gefunden, neue Ziele gesteckt, so dass sich meine Route letztlich Tag für Tag wie ein Puzzle zusammen gesetzt hat. Dabei stellte sich heraus: Je schmaler die Wege in der Karte eingezeichnet waren, desto besser war der Weg für mich. Eine Herausforderung war es, über loses Geröll zu fahren, ich bin mit dem Rad eingesunken oder stecken geblieben, besonders mit dem Rucksack das Gleichgewicht halten war schwer. So war öfters auch mal Schieben angesagt. Gut lief es auf Sand und Asche. Mit Sand gefüllte Schlaglöcher hingegen sind der Horror. Einmal gab es auch einen Abgang ohne Vorwarnung, Gesichtsbremse und der Rucksack mit 20 Kilo schiebt hinterher – ah, das tut gut…!

Wie hast du dich orientiert?
Immer der Nase und dem Sonnenstand nach. Ich hatte zwar ein GPS dabei, aber keine Ahnung wie das funktioniert. Doch gegen Ende meiner Tour habe ich es einmal dringend gebraucht: Learning by doing. So habe ich dann auch Navigieren gelernt. Unterwegs habe ich das Lesen der topografischen Karte perfektioniert. Ich habe immer die Umgebung und das Gelände gut beobachtet und mit der Karte abgeglichen, wenn ich also jetzt über den Hügel fahre, muss dort ein See sein, links ein Berg genau wie in der Karte – also bin ich auf dem richtigen Weg. Ehrlich gesagt war es anfangs auch etwas Glücksache.
Wieso hast du dir Island für dieses Abenteuer ausgesucht?
Island hat mich schon immer interessiert. Die Insel hat eine magische Anziehungskraft auf mich. Und jetzt hatte ich den Drang, das Ganze jetzt und allein zu machen.

Island ist eine energiegeladene, extreme Insel: Wie kamst du mental zurecht, ganz alleine unterwegs zu sein?
Kein Problem. Obwohl ich ein geselliger Typ bin, bin ich gerne allein. Es war großartig! Es ist ja nicht so, dass du einsam bist. Da sind der Wind, die Vögel, die Natur … und nach und nach habe ich – wie soll ich sagen – den sechsten Sinn dafür entwickelt. Da wundert es mich nicht, dass die Isländer an Elfen, Feen und Trolle glauben. Hin und wieder habe ich ja auch Leute getroffen, auch wenn das nur Begegnungen für wenige Minuten waren.

Was ist der beeindruckendste Augenblick/das beeindruckendste Erlebnis dieser Island-Tour für dich?
Da gibt es viele, beispielsweise bin ich beeindruckt, wie energiegeladen die Insel ist, wie die Natur mit Feuer und Eis spielt. Aber am meisten hat mich die Hilfsbereitschaft der Isländer sowie auch der Islandbesucher beeindruckt. Immer wenn ich Schwierigkeiten hatte, war irgendwo im Nirgendwo jemand da, der mir geholfen hat. So war die gesamte Tour in jeder Hinsicht eine richtig gute Erfahrung, die ich nicht missen will. Und: Island lohnt sich auf jeden Fall immer wieder.

Photos by Florian Kaiser and Geir Gudmundson

Seine Eindrücke hat Florian Kaiser in einem Reisebericht festgehalten, zu lesen auf der Seite von qu.ax.com.

English version

Right through the still hot lava field of the volcano Eyjafjallajökull, across the rocky desert of the Icelandic highlands – and all on a unicycle. Florian Kaiser, extreme athletes from Munich, was the first on unicycle going from east to west of Iceland – an estimated 700 kilometers in 21 days every day in the saddle. I interviewed Florian.

You were not the very first on a unicycle in Iceland. A month earlier a unicyclists has circumnavigated the island on the ring road. But you have taken the extreme path through the midst of the barren highlands across the island. Completely crazy or extreme athlete: Who are you?
Two in one: crazy dissent and extreme athlete who is always looking for something new.

The Icelandic highlands is already a challenge with four-wheel Jeep. How did you get the idea to travel with a unicycle across to Iceland?
That was not really my idea. A friend told me about this adventure and asked if I would come along. I was immediately excited with the idea. I was never before been in Iceland, but would absolutely go there.

How did you prepare yourself? What equipment you had?
Preparation? Equipment? No way! I was naive – and have also made many mistakes in planning. So I did not know much about Iceland, the treacherous highland, the quickly changing weather and the rivers that are not always easy to cross. I knew Finland, Sweden and Scotland and I rhymed it together a little over Iceland – has had nothing to do with reality. I started early in the year in June, the brightest season. But all mountain roads were still closed because of snow melt. So I have not done my planned route on the Sprengisandur, had change the direction to Laugavegur to Skógar in the south of the country.

Have you brought the wrong equipment too?
Yes, I had a weight problem – I had everything on my back while remain agile. 20 kilo – more is not easy. So I had my luggage to a minimum. Film and photographic equipment took a lot of space, the backpack was full with sleeping bag and tent. To the tent I had persuaded me – I have no regrets! So I was without comfort like change of clothes and camping stoves. So I am fed on cereals and chocolate. I learned from this: Never again without a proper jacket and kettle to Iceland.

How does this work to drive with the unicycle on the harsh, extreme island? How did you choose the route?
My friend had worked out the route. But I quickly found my own distinctive points, so my route has finally set day after day like a puzzle. I´ve found the more narrow the roads in the map was drawn, the better was the way for me. One challenge was to drive over loose scree, Especially holding the balance with a backpack was difficult. On sand and ash it was running well. But sand-filled potholes are a horror. Once there was a departure without warning, face brake and the backpack with 20 pounds pushes afterwards – ah, that feels good …!

How have you geared up?
Just follow your nose and the sun. I did have a GPS, but does not know how it works. But: Learning by doing. On the way I’ve perfected the reading of the topographic map. Frankly it was a bit of luck.

Why did you chose Iceland for this challenging adventure?
Iceland has always interested me. The island has a magical attraction for me. And now I had the urge to make the whole thing alone.

Iceland is an energetic, extreme island: How did you cope mentally all alone on the move?
No problem. Although I’m a sociable type, I’m also happy alone. It was great! It’s not as if you are lonely. Because of wind, birds, nature … and gradually I have – how shall I say – developed a sixth sense for it. Since I am not surprised that the Icelanders believe in elves, fairies and trolls. I’ve also met people, even when the meetings just for few minutes.

What is the most impressive moment / the most impressive experience for you of this Iceland tour?
There are many, for example, I am impressed of the energetic of the island and how nature is playing with fire and ice. But most it´s the willingness of Icelanders and Iceland visitors. Whenever I had trouble somewhere was there who has helped me. The tour was a really good experience that I do not want to miss. And Iceland is always worth a visit.

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  1. Yvonne

    Bin mir nicht sicher, ob ich ihn für total bekloppt halten oder vor Ehrfurcht erstarren soll. – ein Waaahnsinn ist das! Wir haben den Westen von Island mit vier Rädern durchquert und mussten zum Teil – mangels 4WD – kapitulieren und andere Wege einschlagen … und dieser Kerl macht das mit einem Rad. Wie verrückt muss man sein…?!? ;-)

  2. Kaja

    Wow, das ist ja Wahnsinnig. Ich als isländerin, die das Hochland mit seinen tücken kennt, bin sprachlos.

  3. r.th.

    Das ist ja eine tolle Geschichte! Als Zweiradler aus Passion habe ich großen Respekt vor dieser phantastischen körperlichen und mentalen Leistung. Ein wahrer Held auf dem Einrad ist der Kaiser!

  4. Vielen Dank für eure Kommentare! Ja, höchsten Respekt vor Florians Leistung – aber auch gut, dass ihm nichts passiert ist im wilden Island!

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