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Tiefschnee-sicher: Interview mit der französischen Fotografin und Snowboarderin Vanessa Beucher

Abseits markierter Pisten, mitten durch den Tiefschnee – und das auf den höchsten Bergen Islands: Eine Gruppe von Freeride- und Freestyle-Spezialisten aus den Pyrenäen hatten im April die Halbinsel Tröllaskagi in Nord-Island unsicher gemacht. Sie wurde unter anderem begleitet von der französischen Fotografien Vanessa Beucher, eine Freundin von mir, die ich 2010 in Island kennen gelernt habe. Im Interview erzählt sie mir von der Tour, der Faszination Berge und ihrer Liebe zu Island und der Fotografie. (Click on a photo to see the slideshow) Here go to English version

Freeriden ist eine spektakuläre Sportart, ein besonderer Fahrstil, sich abseits der Pisten zu bewegen – und ein Lebensgefühl. Was zieht französische Freeride-Größen nach Island?
Du weißt, wie sehr ich dieses Land liebe! Zwar hat Island nicht gerade die höchsten Berge – aber eine unglaubliche Landschaft: sehr wild, sehr weit im Norden, mit Blick auf das Meer, und du spürst jederzeit die Elemente, die anziehende Kraft der Natur. Alle meine Sinne sind hier hellwach. Die Qualität des Schnees ist außergewöhnlich durch seine Nähe zum Meer. Um das zu erleben, ist die Halbinsel Tröllaskagi im Norden ein unglaublicher Spielplatz. Ich war schon zweimal hier – und wollte es anderen zeigen.

Mit dem Helikopter geht es hoch auf den Berg – und auf Skiern und Snowboard wieder runter. Was für eine Tour habt ihr in Island gemacht?
Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Matthieu Pinaud, Organisator von Freestyle-Events in den Pyrenäen, dem Fotografen Mathieu Lecoffre und mir. Pinaud ist sehr aktiv in der Ski- und Snowboard-Szene in den Pyrenäen und versucht immer, diese Kultur zu fördern. Ich war bereits zweimal zuvor in Island gewesen und habe vom Team der isländischen Skate- und Streetware-Marke Nikita einen tollen Einblick in Land und Gesellschaft Islands sowie wundervolle Plätze gezeigt bekommen. So konnte ich diesmal der Gruppe wunderschöne Orte zeigen wie die Blaue Lagune, Jökusarlon, die Gletscher und natürlich Reykjavík – so war es eine Kombination aus Reise und Ski-Ausflug. Die Hälfte der Zeit waren wie dann im Tal Svarfaðardalur nahe Dalvík. Von dort sind wir im Gebiet Akureyri und um Siglufjörður die Berge hochgewandert, haben die Pistenraupe in Kaldbakur auf der anderen Seite des Fjords genommen und sind Heliski im Tal Skíðadalur gefahren.

Und wer war mit dabei?
Mit dabei war sieben Skifahrern und Snowboardern, alle aus den Pyrenäen. Unter ihnen die Snowboarder Polo de le Rue, Olympiasieger in Turin 2006 in Snowboardcross, Benjamin Bonnave, Pipe-Bauer im Skigebiet Artouste Snowpark, sowie Felix Cadiou. Als Skifahrer waren dabei Vincent Gramond, Frank Bigourdan, Clem Picart und Roland Loustau.

Was war für dich der schönste Moment auf der Tour?
Ohne Zweifel: der Heliski-Tag. Wir hatten herrliches Wetter, alle Jungs waren total aufgeregt: Man muss extrem schnell sein, weil es so teuer ist zu fliegen. Das gibt dann noch einen zusätzlichen Adrenalin-Kick. Aber das allein ist es nicht: Es ist das unglaubliche Gefühl, wenn du abhebst und in weniger als fünf Minuten hast du ein weißes Königreich vor deinen Augen. Das Ausmaß der Landschaft ist riesig und dann geht es nach Absprache mit Pilot und Tourguide runter in die jungfräuliche Piste. Und das den ganzen Tag lang! Wir kamen erschöpft, aber so glücklich zurück und redeten den ganzen Abend von nichts anderem mehr.

Das alles hört sich nach einem wunderschönen Abenteuer an – doch welche Gefahren gibt es und welches sind deine Erfahrung in der extremen Umgebung hoher, schneebedeckter Berge?
Ich bin regelmäßig in den Bergen in den Pyrenäen im Winter und im Sommer. Und ich fahre seit 25 Jahren Ski, seit zehn Jahren Snowboard – somit bin ich diese Landschaft gewohnt. Trotzdem muss man immer vorsichtig sein. Jeden Winter kommen selbst sehr erfahrene Bergführer und Skifahrer ums Leben. Also höre ich immer genau hin, was erfahrene Leute sagen. Und: Ich versuche, nie über meine Grenzen zu gehen. Und in Island waren wir im späten Frühjahr unterwegs, so dass es nicht so sehr gefährlich war wie mitten im Winter. Außerdem sind die isländischen Berge nicht so riskant wie die Alpen oder andere große Berge. Aber Tatsache ist: Ein Risiko besteht immer. Aber wir hatten alles Arvas (Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte) dabei.

Du hast als Fotografin die Gruppe begleitet. Was für eine Ausrüstung hast du benutzt?
Ich mag es mit Filmen und einer Hasselblad zu arbeiten – wie ich dir während meiner letzten zwei Reisen in Island erzählt und gezeigt habe. Aber diese Arbeitsweise war diesmal nicht dem Projekt angemessen. Da wir mehr gewandert sind, brauchte ich leichteres Gepäck. Außerdem gab es mehr Aktion, für die ich schnell sein musste – da war ich mit meiner Nikon-Digitalkamera viel besser ausgerüstet. An Objektiven hatte ich ein Weitwinkel- und ein Zoom-Objektiv dabei, beide mit sehr lichtstarken Linsen.

Über die Fotografin Vanessa Beucher
Die 31-jährige französische Fotografin lebt im Südwesten von Frankreich. Vanessa hat englische Literatur an der Sorbonne in Paris studiert sowie Filmwissenschaft in Kalifornien und Fotografie in Toulouse. Die Region zwischen Toulouse, den Pyrenäen und der Atlantikküste bezeichnet sie als „ihr Bermuda-Dreieck“ für ihre Arbeit – wenn sie nicht im Ausland wie in Island auf Reisen ist.

Ein Schwerpunkt ihrer fotografischen Arbeit ist die Snowboard- und Surf-Szene. Dabei versucht sie stets einen gefühlvollen Ansatz zu verwirklichen statt bloße Action zu zeigen – so wie in ihren jüngsten Foto-Dokumentationen von Kaliforniens Surf- und Kunstkultur auf einer Fahrt auf dem Pacific Coast Highway oder auf Jimi Hendrix´ Spuren in Zentral-Marokko, um zu schauen, was übrig geblieben ist von der Hippie-Zeit bei den Surfern und Künstlern. In Island hat Vanessa die dynamische Freeride-Szene rund um die isländische Kult-Klamottenmarke Nikita porträtiert.

Ein weiterer Teil ihres fotografischen Interesses ist es, Geschichten über Menschen zu erzählen, die einen alternativen Lebensstil ausleben – so war Vanesse im September 2010 beim Burning Man Festival in der Wüste von Nevada, um den unglaublichen künstlerischen Geist dieser Veranstaltung einzufangen. „Aber ich muss zugeben, dass seit drei, vier Jahren meine Liebe zu den Bergen immer größer und größer wird.“ Sie war auf dem Mont Blanc für ein Foto-Projekt, um Annecy bei der Kandidatur für die olympischen Winterspiele 2018 zu unterstützen.

Weitere Fotos von Vanessa von der Freeride-Island-Tour gibt es hier.

WEITERE LINKS:
www.aktaes.com (in French)
www.sudwestern.com (in French)

English version

Off through the deep snow: interview with photographer and snowboarder Vanessa Beucher

Away from marked trails, through the midst of deep snow – and the highest mountains on the Islands: A group of freeride and freestyle specialist from the Pyrenees has made a tour on the Tröllaskagi peninsula in north of Iceland. It was accompanied among others by the French photographer Vanessa Beucher, a friend of mine who I have met in Iceland in 2010. In the interview, she told me about the tour, the fascination of the mountains and their love for Iceland and photography.

Freeriding is a spectacular ski- and snowboard sport, a special driving style to move away from the slopes – and a lifestyle. What attracts Iceland for French freeriders?
You know how much I love this country! Indeed Tceland doesnt have the biggest mountains but has incredibly beautiful landscapes: very wild, very up North, facing the ocean. The quality of snow is exceptional in Iceland by its proximity with the ocean. And you can totally feel the elements there, the magnetic force of nature. All my senses were ‚wide awake‘. For that matter, Trollaskagi in the North is an incredible playground.

It goes up pn hills by helicopter – and back down on skis and snowboards. What have you done for a tour in Iceland?
We organized the project together with Matthieu Pinaud, who is organizing mainly freestyle events in the Pyrénées, and the photographer Mathieu Lecoffre. Pinaud is very active in the ski- and snowboard scene in the Pyrénées mountains, always trying to promote this culture. I had been twice there before and I’ve had some great help by the Nikita team to help me know the country and its people better. So I could easily show them the different places without too much hesitation about where to go – Blue Lagoon, Jökulsarlon, the glaciers and of course Reykjavík. So it was a combination of a road trip and a ski trip. We stayed about half of the trip in the area of Akureyri and Dalvík in Svarfaðardalur. We hiked in the Akureyri resort, took the snowcat in Kaldbakur on the other side of the fjörd, hiked again in Siglufjörður and did heliski in Skíðadalur.

And who was with you?
There were seven skiers and snowboarders, all from the Pyrénées. Among them, three snowboarders, Polo de le Rue, Olympic medalist in Torino 2006 in snowboardcross, Benjamin Bonnave, shaper at the Artouste snowpark, and Felix Cadiou. The skiers were Vincent Gramond, Frank Bigourdan, Clem Picart, Roland Loustau, mostly ski teachers during the season and adventurous freeriders.

What was the most beautiful moment for you on the tour?
Without any doubt: the heliski day. First we had wonderful weather which is quite lucky. All the guys were so excited; you have to be super quick because it’s so expensive when you’re flying. So I think it gives you extra adrenaline. But it’s not all: The feeling you have when you leave the ground and less than five minutes after, you have a ‚white kingdom‘ in front of your eyes. The scale of the landscape is huge and after having talked with the pilot and the guide, you choose toward which virgin slope you’re heading – it lasted the whole day! And we all came back exhausted but so happy, we kept talking about that in the evening.

This all sounds like a wonderful adventure – but what are the dangers there are and what your experience in the extreme environment of high, snow-covered mountains?
I am regularly in the mountains in the Pyrénées in winter and summer. I’ve been skiing for 25 years and snowboarding for ten years so I’m pretty used to a snow environment but you always have to be careful. Very skilled mountain guides and skiers get killed every winter. So I always listen carefully to the advice of more experienced people that are with me. And I try never to go beyond my limits. In Iceland now it was late spring so not so much dangerous as in the middle of winter. And Iceland is not as risky as the Alps or other big mountains. But the thing is that there is no zero risk, we all had arvas (avalanche transceiver) with us.

You have accompanied the group as a photographer. What kind of equipment do you use one?
I told you I like working with films and a Hasselblad – which I had done during my last two trips to Iceland. But this time it was not adapted to the project. As you’re gonna hike, you have to travel more light. And as there was going to be more action, you have to be quick, reactive and digital allows you that perfectly. So I had a Nikon plus two lenses, a wide angle and a zoom, both with a very luminous lens.

ABOUT the photographer Vanessa Beucher
The 31-year-old French photographer living in the Southwest of France. She studied English literature in Paris-Sorbonne, film studies in California and photography in Toulouse. Her ‚Bermuda triangle‘ for the job is in between Toulouse, the Pyrénées mountains and the Atlantic coast when she is not traveling abroad.
A part of her work focuses on the snowboard and surf scene, always trying to have a kind of soulful approach and not merely action – like her latest photo documentaries about California surf and art culture driving down the Pacific Coast Highway, following Jimi Hendrix’s footsteps in Central Morocco and trying to see what was left of the hippie period through surfers and artists, portraying a very dynamic riding scene in Iceland among surreal landscapes with the angle of the Nikita brand.
Another part of Vanessas photographic interest goes to telling stories about people choosing alternative lifestyles. So she went to Burning Man festival in the Nevada desert last september to capture the incredibly artistic spirit of the event. “But I have to admit that since 3 or 4 years, my love for the mountains has kept growing bigger and bigger.” She recently got back from a photo project in the Mont Blanc to support Annecy’s candidacy for the 2018 Winter Olypic Games.
Vanessa Beucher especially enjoy working with a Hasselblad camera though also enjoy digital Nikon.

More photos from Vanessa about the freeride-Iceland-Tour here hier.

LINKS:
www.aktaes.com (in French)
www.sudwestern.com (in French)

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  1. Barbara Dalstein

    Klasse zu sehen, was diese Gruppe erlebt hat, verschlägt mir die Sprache,

  2. tina

    Liebe Barbara, vielen Dank für deinen Kommentar – und ja, der Wahnsinn, was sich manche Menschen trauen, jedoch faszinierende Sportart!

  3. he, gruss an vanessa, matthieu & co – diese unglaublichen schneebrett- und skikuenstler liessen uns blass werden, beim warm-up auf unserem trampolin:) unser kleiner, bald 5 jaehriger máni uebt nun salto…. gruesse aus dem svarfaðartal, myriam & co.

  4. tina

    Liebe Myriam, herzlichen Dank für deinen Kommentar! Und ich bin gespannt, wann Máni die ersten Saltos vorführt :) Liebe Grüße ins Tal, tina

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